Griechenland 2013

Griechenland: Wahrnehmungen im Frühling 2013

Vom 30. März bis 13. April 2013 haben wir -mein Mann, unsere Freundin Marlene und ich- Griechenland wie immer im Frühling bereist.
Wenn man aus Frost und Schnee der Eifel startet und sogleich über 20 Grad erleben darf, ist man voller Euphorie. Es ist ein Genuss, Mimosen, Mohn und gelbe Margariten blühen zu sehen, zu erleben, dass die Menschen Salat, Kartoffeln, Gurken, ja sogar wohlschmeckende Tomaten vom Freiland ernten.

Das soll aber nicht der Gegenstand der Betrachtung sein.
Als wir sagten, dass wir nach Griechenland reisen, stellte sich heraus, wieviele Menschen eigentlich die „BLÖD-“Zeitung lesen. Man vermutete nämlich, dass uns dort Ressentiments und vielleicht Gewalt erwarten.
Weit gefehlt und überdies mit Verlaub sehr dumm!
Wir haben so viele Gespräche wie noch nie in Griechenland geführt, meist über den Umweg der englischen Sprache. Die Griechen öffnen sich weit mehr als sonst, haben ihr Herz auf der Zunge und sind untereinander -zumindest die sogenannten „kleinen Leute“- sehr solidarisch.

Wir stellten fest, dass ungefähr sieben von zehn Jugendlichen keine Arbeit haben.
Wir sprachen mit Menschen, deren schon nicht besonders hohe Renten und Gehälter gekürzt wurden.
Der Mittelstand blutet am meisten. Ein Fahrradverleih, der eigentlich nur fünf bis sechs Monate im Jahr Einnahmen hat, legt 1.000 Euro monatlich als Steuervorauszahlung auf den Tisch ------ und wird über kurz oder lang pleite gehen.

Voriges Jahr noch lebhafte und gut besuchte Tavernen sind gähnend leer, weil die Griechen es sich nicht mehr erlauben können, essen zu gehen. Kleine Familien-Tavernen zahlen auch diese 1.000 Euro Steuervorauszahlung monatlich.

Die BLÖD-Zeitung hat schon vor Jahren ihre Leser wissentlich belogen, indem sie suggerierte, dass die Griechen 400 Euro Kindergeld erhalten. Ja, BLÖD-Zeitung: das stimmt, aber einmal im Jahr! Nun aber ist auch das gekürzt worden.Die Mehrwertsteuer liegt bei 28 %, die Preise sind denen bei uns ähnlich, liegen zum Teil auch wesentlich höher, Ausnahme bildet nur der Brotpreis. Benzin und Gas sind teuer als bei uns, Diesel geringfügig billiger.

Auf Strom wird eine hohe Steuer erhoben.

Die Mietkosten sind gestiegen. Die Armut macht sich auf Festland und Inseln breit.

Eine junge Hebamme sagte uns, dass die Zahl der Geburten 2012 im Vergleich zu 2011 um über 100.000 gesunken sei – eine beredete Sprache!

Die Griechen sagen, egal in welcher Region man sie antrifft, dass sie uns hoch anrechnen, dass wir auch in der Krise gekommen sind.
Aber überall findet man einen Hass oder zumindest tiefe Abneigung gegen Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. Das wird wohl jeder verstehen.

Sie und ihre Vorgänger sind schuld an der Misere.
Helmut Kohl und Theo Waigel bestanden darauf, ein Land in die Euro-Zone aufzunehmen, das die Voraussetzungen nicht erfüllte. Es gab und gibt keine Kataster, auf Grund deren man besteuern könnte. Bis heute wird in mittelalterlich Form, nämlich mit Handschlag, zwischen Nachbarn eine Grundstücksgrenze festgelegt, oft Grundlage für jahrzehntelange Prozesse.
Man wusste schon damals um geschönte Bilanzen, wer es nicht glauben will, steige in die Zeitungsarchive.

Die Reichen blieben – und das wussten deutsche und europäische Politiker sehr wohl – unbesteuert. Bis in unsere Tage sind die millionenschweren Yachten von keinerlei Steuer belastet. Das große Geld ins längst abgewandert, das wissen die Politiker in Europa auch.

Wie soll das die alte Frau mit 259 Euro Rente begreifen? Wie soll sie begreifen, dass mit Wissen von Merkel und Konsorten die Reichen ihren Reichtum unversteuert ins Ausland geschafft haben? Wie soll sie begreifen, dass die Mächtigen in unserem Land und in Europa stets mit den beiden abwechselnd regierenden Clans gehalten und auf sie bis heute Rücksicht genommen haben, wenn sie wechselweise den Staat ausgebeutet haben?

Interessant ist die Betrachtung der Griechen, dass die deutsche Regierung noch immer für Rekordbeträge Waffen nach Griechenland liefert. Unmoralisch hoch drei, wenn man an hungernde Griechen denkt. Wir schämen uns für unsere Kanzlerin und ihre Machtclans.

Noch interessanter wird es, wenn man die durch und durch korrupte griechisch-orthodoxe Kirche betrachtet, die mehr, entschieden mehr Vermögen zusammen gegaunert hat, als der Staat. Sie besitzt den größten Anteil an Grundeigentum im Land. Sie besitzt die größten Finanzreserven. Sie steht wie in Rom die katholische Kirche in Verdacht, Geld aus Drogen- und Prostitutionsgeschäften zu waschen.
Beispiel für die Unverfrorenheit der dortigen Kirche: auf einer kleinen Insel (3.500 Einwohner) gibt es bereits vier Klöster mit großem Landbesitz. Die Inselkommune überließ der Kirche eine große Fläche Grundbesitz, um ein fünftes Kloster zu errichten. Wegen Gemeinnützigkeit wurde das Grundstück weiter unter Preis verkauft. Dass es weder Grunderwerbsteuer gibt noch die Kirche eine bezahlen müsste, versteht sich von selbst.
Nach zwei Jahren parzelliert die Kirche das Grundstück und verkauft Villengrundstücke mit einem horrenden Gewinn. Noch Fragen?

Der Staat besoldet in Griechenland ALLE Geistlichen. Und das sind viele!! Der Beruf des Popen ist sehr begehrt und wie in grauer Vorzeit pfründe-reich.
Übrigens gibt man für Personal kein Geld aus: man beschäftigt die Gläubigen ehrenamtlich und verspricht ihnen den Himmel (andererorts sind es viele Jungfrauen und Wein!).
Und: durchfüttern lässt man sich bei den Gläubigen auch sehr gern!

Wir in Deutschland besolden leider Gottes die Bischöfe sehr hoch, die Priester aber zu bezahlen, wagt sich doch nun niemand.
Das alles weiß unser aller Angela, aber sie hütet sich, sich mit der Kirche anzulegen. Sie hat kein Gewissen, die kleinen Leute zu ruinieren, aber sie fordert nicht, die Popen an den Kürzungen zu beteiligen. Das brächte viel Geld ein, aber Politiker und Kirchenfürsten ticken in Geldsachen total identisch.

Noch ein Schwenker zur Korruption. Ein Tavernenbesitzer bekommt Besuch der Behörde. Der Beamte findet das Überdach „nicht gut“. Der Tavernenbesitzer sagt „wieviel?“ . Der Beamte antwortet: „85 Euro“. Das Geld wechselt den Besitzer und der Beamte verlangt nach einem Greek Coffee und einem Glas Wein und sagt: „Haben Sie ein toll gelungenes Überdach!“
Auch hier: noch Fragen?

Fazit: immer und überall haben wir betont, dass wir hinter den Griechen stehen, Reformen fordern, uns aber gleichzeitig von unserer Kanzlerin distanziert und zum Ausdruck gebracht, dass wir uns ihrer schämen.

Wir wissen, dass Angela Merkel die Banken und die Rüstung stützt, dass die Bundesrepublik an den Zinsen für Griechenland viel verdient.

Wir wissen auch, dass die vielen Selbstmorde, die kaum zu ertragende Armut und die Aussichtslosigkeit für die Menschen hauptsächlich auf ihr Konto gehen.

Vor der Geschichte wird ihre Zeit als Politikerin wie die von Margaret Thatcher zu Recht als besudelt da stehen!

An dieser Stelle können wir nur alle Menschen ermuntern, ihren Urlaub in Griechenland zu verbringen. Es ist immer noch preiswert für uns. Uns empfängt Gastfreundschaft, wie es sie seit Generationen gibt. Wir können eine hoch anspruchsvolle Kultur mit Bade-Urlaub, ein Aufeinander-Zugehen mit kulinarischen Genüssen verbinden. Wir sind gerne bereit, für alle, die sich interessieren, die Wege zu ebnen.
Meldet Euch einfach!

Es lohnt sich!

Zum Abschluss noch eine Begebenheit: wir fuhren auf einer Insel eine Strecke mit einem Taxi und wurden von dem schon älteren Fahrer nach unserer Herkunft gefragt. Als er wusste, dass wir Deutsche waren, brach es aus ihm heraus: „Hitlers Schergen haben meine Eltern vor meinen Augen ermordet!“. Er weinte. Wir führten ein langes Gespräch und fanden gut zueinander. Wir haben ihn noch öfter getroffen. Er ließ uns wissen, dass seine Emotionen mit ihm durchgegangen seien. Wir gehörten doch der jungen Generation an, uns träfe keine Schuld.
Es gab in unseren Augen für ihn keinen Grund, sich zu entschuldigen. Wir konnten ihn doch so gut verstehen!

Bezüglich unserer Nazivergangenheit kommen die Menschen uns Jüngeren entgegen; da haben wir allen Grund, ihnen in ihrer Not entgegen zu kommen.

Diese „Schlagzeile“ soll aber sehr positiv enden, nämlich mit Bild- und Musikimpressionen aus diesen griechischen Frühling!

Viel Spaß beim Anschauen!

 

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